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HELFT DEN BAHNHOFSWALD ZU RETTEN: MIT EINER SPENDE
Artenschutzgründe sind das eine, Verfahrensmängel das andere.
Es gibt gute Gründe gegen das geplante Bauvorhaben zu klagen.
Das schaffen wir nur mir Eurer Unterstützung. Jeder Beitrag hilft. Bei Fragen zum Thema oder zum Spenden, gerne an wald@grain.one.

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Kontoinhaberin: Chr. Schmitz-Strempel – Verwendungzweck: „Bahnhofswald“

Christiane Schmitz-Strempel

Investoreninteressen gehen in Flensburg über Naturschutz

Ein Leserbrief von Dr. med. Helmreich Eberlein

Der Bahnhofswald in Flensburg soll für den Bau eines Hotels und Parkhauses abgeholzt werden. Foto: Bernd Schütt

In der Flensborg Avis vom 20.1.21 steht ein Artikel unter der Überschrift „Polizeigewerkschaft: Gesundheit geht über Naturschutz“. Der Sprecher der Polizeigewerkschaft verteidigt die Entscheidung, wegen der Corona-Gefährdung im Januar keine Räumung am Bahnhofswald vorzunehmen, und meint, „wenn es denn wirklich so wichtig sei,“ eine spätere Fällung von Bäumen per Sondergenehmigung zu erlauben.

Da steht dann aber nicht mehr Gesundheitsschutz gegen Naturschutz, wie die Überschrift suggeriert, sondern das finanzielle Interesse der Bauherren gegen den Naturschutz! Sollte es so eine Sondergenehmigung geben, wäre sie eine Demonstration, wo für die Stadt die Priorität liegt: Naturschutz ist ihr egal, wenn es um Investoren-Interessen geht.

So wie es der ganze bisherigen Verlauf der Auseinandersetzung um den Bahnhofswald bereits erkennen lässt. Angefangen bei der ersten Bestandsaufnahme des Ist-Zustands im Bahnhofsviertels, als kein Gedanke daran verschwendet wurde, was an schützenswerter Natur vorhanden ist, der Wald schlicht ignoriert wurde; über den Ausschluss aller Alternativen zur Planung an dieser Stelle, die irreführenden Behauptungen, was die Zahl der zu fällenden Bäume angeht, die ganz unzureichenden Ausgleichsmaßnahmen, die beschönigenden Gutachten über die Gefahr für die Fledermäuse, die Verleugnung der Quelle, bis zu der jetzigen Behauptung, die Baugenehmigung für das Hotel berühre nicht den Wald – dabei wird die Hälfte des Habitats zerstört und wegen des Vertrags der Stadt mit den Investoren wird nach der Genehmigung des Hotels zwangsläufig auch die Zerstörung des Teiles folgen, der offiziellen Waldstatus hat.

Aber Naturschutz ist der Schutz unsrer Lebensgrundlagen, die in der größten Krise seit dem Ende der Saurier stehen, und muss immer und überall allerhöchste Priorität haben!

Zum Schluss noch eine Bitte an die Autonome Gruppe, die Fahrzeuge der Bauherren beschmiert hat: Wenn Ihr den Kampf um die Rettung des Bahnhofswaldes unterstützen wollt, dann vermeidet bitte alle Aktionen, durch die die Verteidiger des Waldes in den Augen der Öffentlichkeit  ins Unrecht gesetzt werden und die Investoren als Opfer von Gewaltaktionen dastehen könnten. Solche Aktionen schaden der Rettung des Waldes und erleichtern seine Abholzung. Lasst Euch kreative gewaltfreie Aktionen einfallen.

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Striktes NEIN zu Sachbeschädigungen und Gewalt jeder Art!

Pressemitteilung der BI Bahnhofsviertel Flensburg

Die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg kämpft seit fast einem Jahr für das Fortbestehen des Bahnhofswalds. Wir tun das auf verschiedene Weise: durch unsere seit vier Monaten bestehende Mahnwache, durch Demonstrationen sowie andere öffentlichkeitswirksame Aktionen und nicht zuletzt auch mit juristischen Mitteln.
Aber für uns ist klar: Aktionsformen, die Sachbeschädigungen einschließen (wie z. B. das Besprühen von Investoren-Autos) wie auch jede Anwendung von Gewalt gegen Personen lehnen wir grundsätzlich ab.
An die Autonome Gruppe, die die Verantwortung für diese Aktion übernommen hat, appellieren wir: Wenn Ihr den Kampf um die Rettung des Bahnhofswaldes unterstützen wollt, dann vermeidet bitte alle Aktionen, durch die die Verteidiger des Waldes in den Augen der Öffentlichkeit ins Unrecht gesetzt werden und die Investoren als Opfer von Gewaltaktionen dastehen könnten. Solche Aktionen schaden der Rettung des Waldes und erleichtern seine Abholzung.

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg

Bahnhofswald Flensburg: Die Sache mit der Ehrlichkeit

Ein Beitrag von Sabine Scholl, Flensburg

Zum Wochenbeginn sollte ursprünglich ein Großaufgebot schwer gepanzerter Einsatzkräfte den Bahnhofswald räumen. Die Räumung ist vorerst pandemiebedingt ausgesetzt worden. Eine sehr angemessene Entscheidung, denn mit Abstand lässt sich kein*e Aktivist*in vom Baum holen. Aber der Entschluss, so bald wie möglich zu räumen und mindestens 200 Bäume an der Bahnhofstraße zu fällen steht offenbar fest. Dabei sind auch junge Bäume mit immerhin sechs Metern Höhe mitgerechnet. Um es genau zu wissen, wurden sie von Waldschützern gezählt, denn die veröffentlichten Angaben sind teilweise irreführend. Schade um diesen Gewaltakt an der Natur, denn es sind immer noch Fragen offen.

„Dr. Schroeders‘ Sumpfburg“ im Bahnhofswald

Eilig hatte man es schon in der Vergangenheit. Der frühere Stadtplaner hatte es mit seiner Idee wohl so eilig, dass er es versäumte, die Untere Naturschutzbehörde von Beginn an mit einzubeziehen. U.a. dieses Vorgehen hat wohl dazu geführt, dass Waldschützer*innen dem Stadtplaner eine Plattform im Wald gewidmet haben: „Dr. Schroeders‘ Sumpfburg“.

Auch die Investoren machten Druck auf die politischen Entscheider. Ohne Baugenehmigung und ersten Spatenstich in 2020 sei das Projekt „tot“, hieß es. Im Januar 2021 sind es aber die Bäume an der Bahnhofstraße, denen man den Garaus machen will, nicht dem Bauvorhaben.

Im Verlauf ergaben sich viele Unklarheiten, die nur auf Drängen von Einwohner*innen hin geklärt wurden – oder auch gar nicht. Quelle oder keine Quelle, Untersuchungen zum Hangrutsch, Zahl der Arbeitsplätze, Bedarf eines weiteren Hotels in Flensburg usw.

Und heute ist die Frage offen, weshalb gar nicht mehr über das für die Verkehrswende angeblich wichtige Parkhaus gesprochen wird. Dafür wurde keine Baugenehmigung beantragt. Dabei hatte man doch in der Vergangenheit einen Antrag des SSW, nur das Hotel zu bauen offiziell abgelehnt. Der Grund: Die Investoren seien mit dem städtebaulichen Vertrag verpflichtet, beides umzusetzen. Um diese Frage schwarz auf weiß zu klären haben Bürger*innen Einsicht in den Vertrag gefordert. Das ist laut Informationszugangsgesetz ihr Recht. Aber die Einsicht steht trotz mehrfacher Anfragen noch immer aus. Weshalb? Warum kann diese Frage nicht offen und ehrlich beantwortet werden? Dass stattdessen schnell Tatsachen geschaffen werden ist fragwürdig und überhaupt nicht transparent.

Dieses Vorgehen hat wieder einen enormen Vertrauensverlust zur Folge.

Den haben übrigens junge aktive Flensburger*innen bereits in der Planungsphase des Bauvorhabens erlebt: Auf der Internetseite der Stadt Flensburg findet man Fotos einer Klimaschutzkundgebung der Fridays for Future vor dem Rathaus, bei der die Oberbürgermeisterin spricht: „Lasst uns gemeinsam eine coole Zukunft machen!“. Im Anschluss mischte sie sich unter die protestierenden Schüler*innen. Die Taten, die auf diese warmen Worte folgten, waren andere, denn wenig später wurde durch geschickte Intervention der Verwaltungsspitze, die Waldentwidmung gegen die Beurteilung der hauseigenen Behörde durchgedrückt und damit den Privatinteressen der Investoren der Weg frei gemacht. Da helfen auch keine Pressefotos mit Baumpflanzungen mehr.

Ein öffentlicher Wald, ein städtisches Grundstück, wurde an private Investoren verkauft, die nun mit der Genehmigung der Stadt damit möglichst viel Geld verdienen wollen. Das darf so nicht weitergehen! Und dagegen zu protestieren kann nicht falsch sein.

Baumbesetzungen sind illegal, aber auch eine Folge von Unehrlichkeit im Planungsprozess. Kein Wunder, dass immer mehr junge Menschen nun versuchen, Wälder durch Besetzungen zu schützen  und diese nur freiwillig verlassen, wenn man die betroffenen Biotope erhalten würde. Auch in Flensburg ist das so. Im Grunde ist das eine ehrliche und konsequente Haltung – die jetzt mit einer Machtdemonstration erwidert werden soll.

Im Aufschub der Räumung liegt aber nun eine Chance. Jetzt könnte man ehrlich zugeben, dass der Bau nicht umgesetzt werden kann, weil in der Planung Fehler gemacht wurden und es eigentlich gar nicht zu dem neuen Suffizienzkonzept* der Stadt („weniger Versiegelung, mehr Grün“) passen würde, einen innerstädtischen Wald mit Quelle zuzubetonieren. Wenn man es ernst meint.  

* Leider wurde der Beitrag des NDR/SH-Magazin vom 7.1. aus der ARD Mediathek entfernt

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Bahnhofswald Flensburg: Bürgerinitiative wirft Stadtverwaltung planerische Blindheit vor

Entspannte Ruhe: Das Böömdorp heute Morgen im besetzten Bahnhofswald. Die angekündigte polizeiliche Räumung fand nicht statt – Foto: Jörg Pepmeyer

Räumungschaos! Beweis für die planerische Blindheit der Stadtverwaltung

Pressemitteilung der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg:

Aus Sicht unserer BI besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Qualität der Bauplanungen für Hotel und Parkhaus und dem planerischen Chaos rund um die zunächst groß angekündigte und dann eilends wieder abgesagte Räumung des Bahnhofswalds.

Mehrere Hundertschaften der Polizei hatte man angefordert. Angesichts der in Flensburg weit verbreiteten Sympathie mit dem Anliegen der BaumbesetzerInnen, die Zerstörung des Waldes zu verhindern, erwartete man offenbar, dass die angekündigte Räumung sehr viele Menschen auf den Plan rufen würde (richtige Einschätzung, immerhin).

Aber es war dieselbe Verwaltung, die kurze Zeit zuvor die Verordnung veröffentlichte, wonach aufgrund der Gefährdungslage durch Corona bei Versammlungen im Freien maximal 100 Menschen zusammenkommen dürfen. Diesen offenkundigen Widerspruch hatte man offenbar übersehen über dem Bemühen, den Interessen der Investoren zu genügen, die endlich losbauen wollen. Es bedurfte erst eines vehementen Einspruchs der Polizeigewerkschaft, die einen Einsatz dieses Ausmaßes kritisierte und damit die Oberbürgermeisterin dazu brachte, ihre Räumungspläne aufzugeben.

Sofern es noch eines Beweises bedurfte, wie sehr unserer Verwaltung der Weitblick fehlt: Hier wurde er erbracht! Von der gleichen Unfähigkeit, tragfähige Zukunftsentscheidungen zu treffen, ist leider auch unsere Kommunalpolitik betroffen, die allzu oft, wenn es darauf ankommt, verfehlte Planungen der Verwaltung bereitwillig abnickt.

Unsere Bürgerinitative wird sich von all diesen Vorgängen nicht beirren lassen. Wir werden unsere tägliche Mahnwache am Wald unverändert fortsetzen. Weiterhin werden wir juristisch prüfen lassen, was nun im Zuge des Räumungschaos offenbar geworden ist: Die Stadtverwaltung hat den Investoren grünes Licht gegeben für den Bau des Hotels, und das bedeutet: Es wurde unrechtmäßig eine Baugenehmigung erteilt.

Denn: Der durch den BUND bereits vor mehr als zwei Monaten eingelegte Widerspruch gegen die Waldumwandlung ist bis heute nicht beschieden. Darin wird mit juristisch gut begründeten (und offenbar schwer widerlegbaren) Argumenten dargelegt, warum der gesamte, dem Projekt zugrundeliegende Bebauungsplan rechtswidrig ist. Außerdem fehlen bis heute die für eine rechtmäßige Erteilung der Baugenehmigung unverzichtbaren Gutachten, die die Hangstabilität garantieren müssten.

Schließlich gibt es einen städtebaulichen Vertrag zwischen der Stadt und dem Bauträger, wonach dieser verpflichtet ist, nach dem Hotel auch das geplante Parkhaus zu bauen. Wenn heute behauptet wird, man wolle ja “nur” das Hotel bauen und das könne man in Übereinstimmung mit dem Waldgesetz tun, man brauche also die umstrittene Waldumwandlung gar nicht, dann ist das nichts Anderes als eine Mogelpackung, mit der man die Öffentlichkeit täuscht und das heimliche Ziel erreichen möchte: Erst mal Bäume fällen, Fakten schaffen! Das Parkhaus würde dann später nachgeschoben. Nun hat die Oberbürgermeisterin aber bereits angekündigt, dass sie nach Absage der Räumung die Durchsetzung des Baurechts auf auf anderen Wegen ermöglichen möchte.

Wir werden alles tun, um diesem Ansinnen auch juristisch zu begegnen. Der für Tiere und Menschen so wertvolle Bahnhofswald hat es verdient. Und nicht zuletzt bestärkt uns die immer weiter wachsende Unterstützung von Seiten der Flensburger Bevölkerung in unserem Kampf für den Wald.

Günter Strempel/Christiane Schmitz-Strempel, SprecherInnen der BI Bahnhofsviertel

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

Weitere Infos und Beiträge zum Thema Hotel- und Parkhausprojekt am Flensburger Bahnhofswald auch hier

Verschärfte Coronasituation: Vorerst keine Räumung des Bahnhofswalds in Flensburg

Flensburger Bahnhofswald: Aufgrund der Corona-Pandemie vorerst keine polizeiliche Räumung des Besetzer-Camps „Böömdorp“ und keine Baumfällungen im Wald

Die drohende polizeiliche Räumung des Besetzer-Camps im Flensburger Bahnhofswald und die von den Hotel-Investoren angedachten Rodungsarbeiten werden vorerst nicht stattfinden. Grund dafür ist die verschärfte Corona-Situation in Flensburg.

In einer Mitteilung der Stadt Flensburg heißt es dazu, dass sich der bereits vom Gesundheitsministerium des Landes geäußerte Verdacht der Existenz von mutierten Corona-Viren in Flensburg bestätigt habe. Die Ergebnisse mehrerer Testungen würden typische Merkmale einer Virus-Mutation aufweisen. Gleichzeitig bestehe die Vermutung, dass es sich dabei um eine Mutation handele, die bereits in mehreren europäischen Ländern aufgetreten ist und die deutlich ansteckender sei, als das bisherige Virus.

Vor diesem Hintergrund und angesichts einer neuen Bedrohungslage hat, so die Oberbürgermeisterin Simone Lange in einer Mitteilung von heute, der Vorstand der Stadtverwaltung auch nach Rücksprache mit dem Innen- und Sozialministerium entschieden, „dass alle Maßnahmen vermieden werden müssen, durch die es zu größeren Menschenansammlungen kommen könnte. Deshalb wird die Stadt zur Zeit auch keine Schritte einleiten, die dies zur Folge hätten.

Vor diesem Hintergrund wird es keinen größeren Polizeieinsatz am Bahnhofswald geben. Wir prüfen, wie die Durchsetzung des Baurechtes auf anderen Wegen ermöglicht werden kann.“

Die Gewerkschaft der Polizei, die aufgrund der Corona-Situation dringend von einem Polizeieinsatz am Bahnhofswald abgeraten hatte, bedankte sich bei der Flensburger Oberbürgermeisterin für ihre Entscheidung. Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) Torsten Jäger zeigte sich sehr erleichtert: „Simone Lange hat damit ausgesprochen verantwortungsvoll und umsichtig entschieden.“ Jäger unterstrich allerdings, dass die GdP mit Blick auf die Corona-Pandemie ausschließlich den Zeitpunkt für eine polizeiliche Einsatzlage dieses Ausmaßes kritisiert habe. Nach wie vor gäbe es keine Zweifel daran, dass die vorgesehenen polizeilichen Maßnahmen im Bahnhofswald rechtmäßig gewesen wären. „Der offenbar lange feststehende und geplante Einsatz in Flensburg hatte bei den Polizistinnen und Polizisten in Schleswig-Holstein für Unmut und Sorgen in einem bislang noch nicht gekannten Ausmaß gesorgt. Da mussten wir als Gewerkschaft reagieren“, erklärte Torsten Jäger das Vorgehen der GdP. Deshalb habe sich die GdP gegen den Einsatz zum jetzigen Zeitpunkt ausgesprochen, auch wenn schon immense Vorbereitungen, Mühe und Arbeit investiert worden seien. „Selbstverständlich stehen wir als GdP für die Durchsetzung geltenden Rechts und sind der Überzeugung, dass unsere Landespolizei ständig einsatzbereit ist“, so der GdP-Landesvorsitzende abschließend.

Gleichzeitig versicherten am heutigen Nachmittag Michael Petersen und Ralf Kock, die Verantwortlichen bei der Flensburger Polizei, den Waldbesetzern und der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel nachdrücklich, dass es nicht nur am Montag, sondern auch im ganzen Monat Januar keine Räumung stattfinden werde  Zwar werde die Polizei nach einer Meldung von shz-Online am Montag vor Ort präsent sein, um bei einer Eskalation der Situation angemessen reagieren zu können, aber eine Räumung des Besetzer-Camps oder Rodung des Waldes werde es „definitiv“ nicht geben.

Christiane Schmitz-Strempel von der Bürgerinitiative Bahnhofsviertel begrüßt die Entscheidung vorerst von einer polizeilichen Räumung des Bahnhofswalds und des Besetzer-Camps abzusehen. Die Bürgerinitiative sei sehr erleichtert, aber sie sei ebenso sehr entschlossen, den Kampf für den Fortbestand des Bahnhofswalds unverändert fortzuführen. Günter Strempel, ebenfalls Sprecher der Bürgerinitiative, kritisiert in aller Schärfe, dass die Stadt eine Baugenehmigung für das Hotel erteilt habe, obwohl der vom BUND eingelegte Widerspruch gegen die Waldentwidmung noch nicht beschieden wurde. Und er kündigt an: „Es wird eine juristische Prüfung geben, inwieweit das Vorgehen der Stadt in Sachen Baugenehmigung rechtswidrig ist.“

Besetzter Bahnhofswald in Flensburg: Räumung droht am kommenden Montag

Der Flensburger Bahnhofswald aus der Vogelperspektive: Voraussichlich am Montag soll mit großem Polizeiaufgebot das Besetzer-Camp „Böömdorp“ und der Wald geräumt werden. – Foto: Bernd Schütt

Die Stadt Flensburg hat nach einer Meldung von shz-Online am gestrigen Donnerstag die Genehmigung für den Bau des umstrittenen Bahnhofshotels erteilt. Rein theoretisch könnten die Investoren sofort mit dem Bau beginnen, müssten lediglich noch das Datum des Baubeginns anzeigen. Erstaunlich ist jedoch, dass die Investoren eine Baugenehmigung von der Stadt bekommen und damit ebenso die Genehmigung zur Rodung des Waldes, obwohl über den Widerspruch des BUND zur Waldentwidmung noch gar nicht entschieden wurde. Durch den Widerspruch des BUND, der der Unteren Forst-Behörde und der Stadt Flensburg am 9.11.2020 zugestellt wurde, ist der Bebauungsplan 303 Hauptpost nicht vollziehbar. Darin wird nicht nur der Waldumwidmung widersprochen, ohne die keine der geplanten Baumaßnahmen umgesetzt werden kann, auch der gesamte Bebauungsplan wird darin mit zahlreichen juristischen Argumenten als rechtswidrig bezeichnet. Dass die Stadt trotz nicht gesicherter Rechtslage jetzt den Investoren die Baungenehmigung erteilt und damit einen weiteren und unnötigen Konflikt provoziert, ist daher keine kluge Entscheidung. Und sie spricht ebensowenig für die handelnden Personen in der Verwaltung und die Oberbürgermeisterin Simone Lange.

Zur drohenden Räumung die Mitteilung der Waldbesetzer*innen aus dem Böömdörp:

Seit dem ersten Oktober 2020 besetzen wir den Flensburger Bahnhofswald, um zu verhindern, dass die dortigen Bäume einem Neubaukomplex aus Hotel und Parhaus weichen müssen. Wir kämpfen gegen eine vollkommen verfehlte Verkehrs- und Klimapolitik, in der nach wie vor Gewinne zu erzielen wichtiger ist, als einen lebenswerten Planeten zu erhalten.

Wir haben über drei Monate ein Experiment alternativen Miteinanders erprobt, haben voneinander gelernt, wie der Waldkauz singt und wie zutraulich Rotkehlchen sind, wie Baumhäuser gebaut werden und wie Seilverbindungen geknotet werden. Aber es geht um viel mehr: Wir haben auch soziale Verbindungen geknotet: Beeindruckend viele und unterschiedliche Menschen haben uns unterstützt: Klassische Musiker*innen, Autor*innen, Baumpfleger*innen und Handwerker*innen, Menschen, die Essen für uns gekocht, nasse Sachen bei sich getrocknet und uns Decken vorbeigebracht haben. Die Bürger*innen-Initiative ebenso wie die fridays for future.

Aus mehreren vertraulichen Quellen haben wir nun die Info bekommen, dass die Besetzung Anfang nächster Woche, also am 18.1.2021 geräumt werden soll. Wir bereiten uns also auf ein Großaufgebot und einen Großeinsatz der Polizei vor – eine Eskalation, die zeigt mit welch absurdem Aufwand die Interessen einiger weniger gegen große Teile der Flensburger Bevölkerung durchgesetzt werden.
Eine Räumung, die absehbar zeigen wird, dass die Bekenntnisse der Stadt zum Klimaschutz reine Lippenbekenntnisse sind. Ein Einsatz, der – erst recht unter aktuellen Pandemiebedingungen – vor allem eins darstellen wird: eine Machtdemonstration.

Wir sind gekommen, um zu bleiben und werden die Bäume nicht freiwilligverlassen. Aber wir machen uns nichts vor: Wir wissen, dass die Polizei gewissenlos die errichteten Strukturen zu zerstören im Stande ist. Aber weder die Kraft, die sie erschuf noch die Bewegung lassen sich räumen.

Kontakt zu den Aktivist*innen der Waldbesetzung: rodung@nirgendwo.info

Twitter: @boomdorp

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BUND erhebt Einspruch zur Waldumwandlung

Pressemitteilung 12.11.20 der BI Bahnhofsviertel Flensburg

Der BUND hat Widerspruch gegen die in der vorletzten Woche ausgesprochene Genehmigung einer Waldumwandlung des Bahnhofswaldes eingelegt. Und dieser Widerspruch hat es in sich: In dem 17-seitigen, juristisch ausgeklügelten Schreiben mit zahlreichen Anlagen wird u.a. argumentiert, schon der B-Plan Hauptpost, für den die Waldumwandlung erfolgte, sei rechtswidrig und ungültig! Dafür werden zahlreiche Argumente angeführt. Darüber hinaus sei die Waldumwandlungsgenehmigung wegen entgegenstehender Vorschriften des Biotopschutzes und unzureichender Alternativen-Prüfung rechtswidrig.

Damit hängt der Bauantrag der Investoren, die am Bahnhofswald ein Hotel und ein Parkhaus bauen wollen und dabei auf die Waldumwandlung angewiesen sind, wieder völlig in der Luft. Ob die Fehler der Planung überhaupt geheilt werden können, ist sehr fraglich. Die Stadt Flensburg und die Investoren müssen sich gründliche neue Gedanken machen. Vorbereitende Maßnahmen wie Baumfällungen sollten unterbleiben, solange unsicher ist, ob der angestrebte Bau überhaupt möglich ist.

V.i.S.d.P. Christiane Schmitz-Strempel, Flensburg

Solidaritäts-Konzert mit Geige und Fagott

Suleika Bauer und Cem Aktalay gaben Solidaritäts-Konzert mit Geige und Fagott

Musik hat die Eigenschaft verbinden zu können. Aber sie kann auch den Sinn für Schönheit wecken oder einen Ort würdigen. Zum Beispiel einen Wald. Das konnte man am Samstag im von der Straße aus so unscheinbar wirkenden Bahnhofswald erleben. Zahlreiche Flensburger*innen im Alter von 8 bis über 80 fanden sich gegen 14 Uhr an der Mahnwache in der Bahnhofstraße ein.

Suleika Bauer und Cem Aktalay spielen im Bahnhofswald

Einige Tage zuvor waren Suleika Bauer und Cem Aktalay, beide Mitglieder des Schleswig-Holsteinischen Sinfonieorchesters, an der Mahnwache vorbeigekommen und hatten sich nach den Hintergründen der Baumbesetzung erkundigt. Bestürzt über die drohende Rodung auf dem Gelände und begeistert vom Mut und von der Kreativität der Baumbesetzer*innen wollten beide gern durch ein Konzert mit Geige und Fagott ihre Solidarität zeigen und den bedrohten Bahnhofswald bekannter machen. Cem Aktalay fühlte sich an die Besetzer*innenbewegung erinnert, die 2013 wegen der Rodung und Bebauung des Gezi Parks in Istanbul entstand und zum Symbol zivilgesellschaftlichen Widerstands wurde.

Eine sehr schöne Herbststimmung konnte man im Wald erleben, als die Konzertbesucher*innen aufmerksam über den schmalen Weg an der Quelle vorbei bis zum gepflasterten Rondell in die Mitte des Waldes gingen. Die Menschen bewegten sich leise und vorsichtig, um den Waldfrieden nicht zu stören. Die Sonne ließ das Laub der Bäume in Gelbtönen leuchten, und der Boden war bedeckt von bunten Blättern. Würziger Duft von feuchtem Laub lag in der Luft. Auf den Wegen und am Rondell standen Stühle für die Zuhörer bereit. Dann war der Wald auf einmal erfüllt mit den Klängen von Fagott und Geige. Im Repertoire gab es Jazziges wie einen Ragtime oder Take Five (Dave Brubeck Quartett), aber auch Klassik, eine Sonate von Jean Marie Leclair und ein Stück von Egidius Hobb.

In der Sitzecke direkt vor der „Bühne“ saßen einige betagte Zuhörer*innen, andere Besucher*innen standen auf dem Weg, einem Abschnitt der Valentiner Allee. Ein paar junge Leute hockten auf dem Waldboden und hörten fast andächtig zu. Einer hatte es sich in einer Hängematte bequem gemacht und genoss die Musik, mit Blick in die bunten Baumkronen. Von einer Plattform in luftiger Höhe baumelte das Bein eines dort sitzenden Aktivisten herab und wippte im Takt. In den Spielpausen fingen Rotkehlchen an zu singen. Zwei Polizist*innen parkten ihren Streifenwagen an der Mahnwache und hörten von der Bahnhofstraße aus zu. In den Wald selbst wollten sie sich nicht begeben, um „die Zuhörer*innen nicht zu stören“.

Es war schon ein besonderes Ereignis, nicht nur weil Konzerte in dieser Zeit allgemein eine Rarität sind. Aber auch dieser zauberhafte und friedliche Ort ist es, an dem alles zu lauschen schien und der durch die Klänge der Musik noch veredelt wurde. „Das sollte man öfter machen! Der Wald ist ein idealer Platz dafür“, sagte eine Besucherin am Ende. Auch dem Musiker*innenduo hat ihr Auftritt unter Bäumen gefallen. Sie wollen den Erhalt des Waldes sehr gern weiter unterstützen. Beispielsweise würden sie bei einer Kundgebung mitten in der Stadt spielen oder vor dem Rathaus – um auf eine klangvolle Weise darauf aufmerksam zu machen, dass eine friedliche Lösung für alle möglich ist: wenn dieser Wald bleiben kann!