Umdenken für einen kleinen Wald und die Entwicklung der Stadt

Rede von Günter Strempel zur Kundgebung am 12. Mai 2020 im Carlisle-Park im Bahnhofsviertel in Flensburg

Er, das ist der kleine Wald da drüben auf der anderen Straßenseite: der Flensburger Bahnhofswald. Welche Stadt hat schon so etwas? Einen Bahnhofswald.

Im Regelfall sieht man rund um den Bahnhof nur Straßen und sehr viel Beton. Hier jedoch: 100 Schritt weg vom Bahnhofseingang ein kleiner Wald. Ihm soll es nun aber an den Kragen gehen.

Statt seiner ein Hotel mit 150 Zimmern und ein Parkhaus mit Platz für 300 Autos. Auch unter den Kommunalpolitikern im Flensburger Rathaus sind diese Bauten umstritten und dennoch: Eine Mehrheit hält sie für unverzichtbar und hält zudem den Schaden, den sie anrichten, für gering.

Beides ist falsch, beides lässt sich widerlegen. Der Argumente gibt es viele, und sie wurden vielfach vorgetragen. Sie alle noch einmal aufzuzählen, ist hier nicht am Platz. Nur so viel: Flensburg leidet heute keinen Mangel an Hotelbetten mehr. Mittlerweise wurden andernorts ausreichend Hotels gebaut, oder sie sind in Planung.
Und die Idee, hier ein Parkhaus hinsetzen zu wollen, das ist schon ein Skandal für sich. In einer Zeit, die mit akut wachsender Dringlichkeit ganz andere, zukunftsfähige Lösungen verlangt, wird damit doch wieder nur das alte Verkehrsdenken fortgeschrieben. In dessen Mittelpunkt steht – auch unsere Stadt zeigt das an allen Ecken und Enden: das Auto.

Mit der Corona-Pandemie hat sich unser Leben verändert. Der Einschnitt ist tief, und die Folgen werden weitreichend sein. Was genau uns erwartet, wissen wir nicht. Fest steht nur: Wir werden wachsam sein müssen – in alle Richtungen! 

Und: UMDENKEN ist angesagt im privaten wie im politischen Kontext. Auch in der Kommunalpolitik darf es kein einfaches WEITER SO geben. Auch der Bebauungsplan “Hauptpost” Nr. 303, der die Hauptpost unberührt lässt, aber unseren Bahnhofswald zerstört, muss noch einmal auf den Tisch.
Besonders in Sonntagsreden hörte man bisher häufig den Satz, jede amtliche Entscheidung müsse überprüft werden mit Blick auf die Erfordernisse der Klimaerhitzung. Aber jetzt kommen die Einsichten hinzu, die uns die Corona-Cäsur lehrt: Der galoppierende Verlust von intakten Ökosystemen und der damit einhergehende Artenschwund bedrohen auch unmittelbar unsere Gesundheit, bedrohen das Überleben der Menschen. Wir müssen unser Verhältnis zur Natur überdenken und viel grundsätzlicher verändern als bisher angenommen. Natur, die uns umgibt und am Leben erhält, geht vor Gewinnerwartungen. Auch im konkreten Fall müssen deshalb die Profitinteressen von Investoren zurückstehen. 

Abschließend komme ich damit zurück zu den Hauptpersonen der heutigen Kundgebung, zum Bahnhofswald und seinen BewohnerInnen. Neben den wertvollen alten Bäumen sind das diverse Vögel und mehrere streng geschützte Fledermausarten. Sie würden mit Verwirklichung dieses Bauvorhabens ihren Lebensraum verlieren. An der Fassade des Hotels ein paar Fledermauskästen aufzuhängen, das ist ganz gewiss keine Alternative im Sinne des Artenschutzes. 

Der vielfache Gewinn, den ein kleiner urbaner Wald mit sich bringt, ist groß. Deshalb beginnen jetzt andere Städte damit, solche Tiny Forests anzulegen. Wir haben einen. Tun wir also alles, was möglich ist, um ihn zu retten!!!

Unsere BI hat für diese Kundgebung eine Aktion vorbereitet. Mitten im Park seht Ihr hier einen großen, aus Totholz geformten Baum, und der wird sich jetzt mit Leben füllen.

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