Investoren ignorieren die Gesetze und Auflagen

Erneut verstoßen die Investoren am Bahnhofswald dreist und eklatant gegen die Artenschutzbestimmungen. Die Investoren haben scharfe Lichtstrahler auf dem Dach des Hauptpost-Gebäudes angebracht, die Tag und Nacht den bewaldeten Hang zur Schleswiger Straße (und die Wohngebäude dort) anstrahlen. Dies ist ein klarer Verstoß gegen das Verbot, den bewaldeten Hang mit dem Fledermaus-Habitat direkt zu beleuchten, wie es im B-Plan 303 Hauptpost festgelegt ist

6.10 Artenschutzrechtliche Maßnahmen (§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB)

Bauzeitenregelung
Bäume mit einem Baumdurchmesser von mindestens 50 cm in 1 Meter Höhe dürfen abweichend von der gesetzlich vorgeschriebenen Fällfrist nur im Zeitraum mit der geringsten zu erwartenden Fledermausaktivität vom 1. Dezember bis zum 30. Januar des Folgejahres gefällt werden. Ausnahmsweise sind Fällungen auch außerhalb der Frist möglich, sofern die Genehmigungen der zuständigen Behörden vorliegen (gem. § 67 BNatSchG).

Minimierung von Lichtemissionen
Zur Minimierung von Lichtemissionen (Vermeidung von negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild und die Tierwelt) …. Die Abstrahlung von Licht nach oben und und in Richtung des Gehölzbestandes sind durch die Verwendung von Lichtleitblechen vollständig zu unterbinden.
Lichtpunkthöhen > 8 m über Gelände sind ebenfalls unzulässig. Nicht zwingend erforderliche Lichteinträge in die privaten Grünflächen mit der Zweckbestimmung „Naturnahe Gehölzfläche“ sowie die Maßnahmenfläche sind zwingend zu vermeiden.

Nach dem Fällen von Bäumen, die seit dem 1. Februar laut Bebauungsplan nicht hätten gefällt werden dürfen, und dem Schreddern dieser Bäume ohne eine Untersuchung auf vorhandene Fledermäuse entgegen dem Tötungsverbot des §44 BNSchG („Es ist verboten, 1. wild lebenden Tieren der besonders geschützten Arten nachzustellen, sie zu fangen, zu verletzen oder zu töten oder ihre Entwicklungsformen aus der Natur zu entnehmen, zu beschädigen oder zu zerstören,…) ist das bereits das dritte Mal innerhalb von nur 2 Wochen, dass die Investoren die Naturschutzgesetze und die ihnen gemachten Auflagen hemmungslos ignorieren. 

Kann man solchen Leuten noch vertrauen? Sie beweisen von Mal zu Mal überdeutlich, dass ihnen ihre Privatinteressen über alle Gesetze gehen, dass sie nicht gewillt sind, sich an die erteilten Auflagen zu halten oder die Gesetze zu beachten.

Die Liste der Gründe, weshalb ihnen sofort die Baugenehmigung entzogen werden muss, wird immer länger!

Amateurfoto. Lichtstrahlen auf dem Gebäude der Hauptpost in Richtung Wald und Wohnhäuser auf dem Hang.

Nicht alles ist verloren – der Kampf geht weiter!

„Der Wald ist nicht angerührt“, sagen die Investoren. Und haben in dem bewaldeten Biotop gehaust wie die Barbaren. 

Sie beziehen sich darauf, dass der Teil, den sie verwüstet haben, nicht der ist, der offiziellen Waldstatus hat. Der ist noch da – nicht weil Jara Immobilien die Natur schützen wollte, sondern weil der BUND mit seinem immer noch gültigen Widerspruch ihnen einen Riegel vorgeschoben hat. Geplant war, in diesem Teil das gesamte Unterholz dauerhaft zu vernichten und nur einzelne Bäume stehen zu lassen. Dann wäre auch das jetzt kein Wald mehr, kein Lebensraum für Dunkelheit liebende Tiere und Pflanzen, und die kühlende, Luft-filternde, CO²-bindende Wirkung des Waldes wäre auch hier weitgehend verloren. So weit ist es bisher nicht gekommen, und deshalb lohnt es sich für die BI und alle Flensburger, sich weiter einzusetzen und dieses letzte Refugium zu retten. Es ist bitter nötig!

Und auch an der gerodeten Fläche ist der Kampf nicht vorbei. Das Hotel steht noch lange nicht, und die Sicherung des Hanges gegen einen Erdrutsch bleibt genauso ein Thema wie die Rettung der Quelle vor einer Baugrube direkt daneben. 

Das alles geht nur mit einem versierten Rechtsanwalt an der Seite, soviel haben wir gelernt. Und der kostet eine Menge Geld. Deshalb werden weiterhin jede Menge Spenden gebraucht. Damit wir retten können, was noch zu retten ist, und der Stadtplanung zeigen können, dass sie Naturschutz künftig ernst nehmen müssen, viel ernster als bisher! Viel viel ernster. Der Bahnhofswald muss ein Wendepunkt in der Stadtentwicklung werden.

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg
Spendenkonto bei der GLS-Bank
IBAN DE42 4306 0967 1018 7219 01
Kontoinhaberin Chr. Schmitz-Strempel
Verwendungzweck: „Bahnhofswald“

„Wer möchte leben ohne den Trost der Bäume!“ (Günter Eich)

Nach der Räumung und Rodung eines großen Teils des Bahnhofswaldes am vergangenen Wochenende haben die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel und die Böömdörper ihre über fünf Monate durchgehaltene Mahnwache an der Bahnhofstraße beendet. Dies in Form einer würdevollen und bewegenden Trauer-Zeremonie, bei der Pastorin Veronika Landbeck, Thomas Gädecke, Günter Strempel und Sabine Scholl tröstende Worte für die Versammelten fanden.

„Trotz allem unglaublichen Einsatz haben wir die Bäume nicht retten können – aber es war keinesfalls umsonst!“ Die entstandene Gemeinschaft, die vielen Gespräche mit Passant:innen wirken fort. Diese Menschen werden auf die Äußerungen der Investoren und der Verwaltung nicht mehr hereinfallen. Und es gibt weiterhin viel zu tun, um den Rest des Waldes zu retten und eine Wende in der Stadtentwicklung zu erreichen, so dass Naturschutz einen ganz anderen Stellenwert bekommt. Der Kampf geht weiter – in anderer Form.

An dem Bauzaun wurden zahlreiche Trauerkränze angebracht mit den Steckbriefen der gefällten Bäume, sowie Traueranzeigen für das zerstörte Habitat.

Fotos: BI Bahnhofsviertel Flensburg

Ein Kranz für jeden der gefällten Bäume.
Ein Kranz Im Gedenken an jeden einzelnen gefällten Baum.
Der Platz, an dem die Bäume an der Bahnhofstraße standen. Eine Riesenlücke, bereit mit viel Beton geschlossen zu werden. Massive und brachiale Stadtentwicklung.

„Ruhe in den Hütten, Krieg im Palast“

Wirtschaft vor Gesundheit Der Bahnhofswald in Flensburg wurde geräumt. Es ist gleichzeitig Höhe- wie Tiefpunkt einer Geschichte, die so vielschichtig ist, dass es eine Bestandsaunahme erfordert.“

Ein etwas anderer Rückblick auf die Ereignisse am und um den Flensburger Bahnhofswald.
Zu lesen in der Onlineausgabe von „der Freitag“

https://www.freitag.de/autoren/timo-essner/beobachterbericht-zum-bahnhofswald

BUND SH legt Widerspruch gegen die Baugenehmigung für das Bahnhofshotel Flensburg ein

 Pressemitteilung vom 23. Februar 2021 

Wegen eines in der Baugenehmigung geforderten und noch nicht vorliegenden hydrogeologischen Gutachtens hat der Landesverband des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland Landesverband Schleswig-Holstein (BUND SH) vorsorglich Widerspruch bei der Stadt Flensburg eingelegt. Die Investoren werden aufgefordert nachzuweisen, dass der gesetzliche Schutz einer Quelle sowie die Stabilität des Steilhanges mit dem Bauvorhaben vereinbar sind. Bis dahin sollen Bodenbewegungen bzw. -versiegelung auf dem Gelände nicht gestattet sein. Der BUND SH ist entsetzt über die dramatischen Vorkommnisse der letzten Tage rund um den Flensburger Bahnhofswald.

Damit die Bäume im Flensburger Bahnhofswald fallen, sind dem Investor des Hotelkomplexes offensichtlich alle Mittel recht gewesen. Am Freitagmorgen rückte eine mit Kettensägen ausgerüstete „Privatarmee“ den ersten Bäumen und auch den Baumbesetzer*innen in einem Akt der Selbstjustiz zu Leibe. Bäume, auf denen sich Menschen befanden, wurden angesägt. Die Polizei musste einschreiten. Und doch dauerte es noch eine weitere halbe Stunde bevor dem Kettensägenmassaker Einhalt geboten werden konnte. Über einen langen Zeitraum konnte der Staat seine hoheitlichen Aufgaben nicht durchsetzen. In der Folge überreagierte die Staatsmacht dann. Sogar Einsatzkräfte aus Hamburg und Niedersachsen wurden angefordert. Der Einsatz gilt inzwischen als einer der größten an der Förde in der Nachkriegszeit! Unter dem Vorwand des Schutzes des Eigentums wurden die Polizeikräfte instrumentalisiert und gingen entgegen aller Hygieneregeln gegen die Umweltaktivist*innen vor Ort vor. Am Montag wurden Baumhäuser zerstört und viele der nach Artenschutzrecht geschützten Fledermaus-Habitatbäume gefällt. „Nur aufgrund eines Widerspruchs des BUND SH gegen die genehmigte Waldentwidmung fielen in den vergangenen Tagen nicht alle Bäume der Säge zum Opfer. Dabei wurden jedoch hunderte Menschen über vier Tage einer vollkommen unnötigen Infektionsgefahr ausgesetzt“, so Ole Eggers, Geschäftsführer des BUND SH. „Die Fällaktion brachte nicht nur die Baumbesetzer*innen vor Ort in akute Lebensgefahr. In dem Corona-Hotspot Flensburg mussten auch hunderte herbeigeeilte Umweltschützer*innen ebenso wie die Polizeieinsatzkräfte ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.“

Der BUND SH verurteilt die Selbstjustiz seitens des Investors aufs Schärfste und ist im höchsten Maße irritiert, wie der Staat sich das Heft des Handelns abnehmen lässt. „So etwas stellt man sich im brasilianischen Urwald vor, aber nicht in Deutschland. Mit dieser haarsträubenden Aktion wurden Menschenleben akut gefährdet, das ist nicht zu entschuldigen“, erzürnt sich Eggers noch Tage nach dem Unrecht. Seit Monaten setzen sich der BUND SH in Flensburg zusammen mit einer Bürgerinitiative und mit Unterstützung von mehreren winterfesten Baumbesetzer*innen gegen die ökologisch inakzeptable Beseitigung des Flensburger Bahnhofswaldes ein. Noch am Donnerstag hatte die Oberbürgermeisterin aufgrund der dramatischen Coronasituation in der Stadt mitgeteilt, sie könne eine Räumung nicht verantworten. „Darauf habe man sich verlassen“, so Brigitte Rotermund, Kreisgruppensprecherin des BUND in Flensburg und kommentiert weiter: „Dass die Investoren schon am darauf folgenden Morgen hinter einem kurzfristig errichteten Bauzaun und abgesichert durch hundert angeheuerte private Sicherheitskräfte die Säge ansetzen ließen, zeugt von vorsätzlicher Planung und unglaublicher Rücksichtslosigkeit.“

„Dass Bürgermeisterin Simone Lange den Vorfall nutzte, um den Wald entgegen ihrer Ankündigung und trotz der Corona-Situation doch noch am Sonntag räumen zu lassen, ist befremdlich. Ihre Begründung, das Baumdorf, wo einzelne Protestierende seit Monaten in ihren Baumhütten ausharrten, müsse aufgrund der geltenden Corona-Ausgangssperre geräumt werden, ist in Anbetracht der Gesamtsituation an Irrationalität kaum zu überbieten“, so Rotermund abschließend.

Pressekontakt
Ole Eggers, Geschäftsführer , BUND-Schleswig-Holstein
ole.eggers@bund-sh.de

Brigitte Rotermund, BUND Kreisgruppe Flensburg
brigitterotermund@t-online.de

Brief an die Untere Naturschutzbehörde der Stadt

Absender Dr. med. Helmreich Eberlein, Flensburg

Sehr geehrter Herr Neuendorf,
Herr Claus Kühne hat mir erzählt, dass Sie ihm heute gesagt hätten, das Fällverbot aus dem B-Plan 303 Hauptpost gelte nur für solche Bäume über 50 cm Stammdurchmesser, die Spalten aufweisen.
Ich bin entsetzt, dass Sie als der Zuständige für das Durchsetzen des Artenschutzes in Flensburg anscheinend den Wortlaut des B-Planes nicht kennen! Und dass Sie anscheinend nicht wissen, dass heute ein Baum gefällt wurde, der sowohl über 50 cm Stammdurchmesser als auch Spalten besitzt. Schauen Sie das dokumentarische Foto an, das ich anhänge, aufgenommen während der Fällung des Baumes Nr. 85 aus dem Baumkataster. Vergrößern Sie es gerne! Wenn der Baum keine Spalten hat, dann gibt es so etwas gar nicht!

Die einschlägigen Sätze aus dem B-Plan 303 Hauptpost lauten: 
„6.10 Artenschutzrechtliche Maßnahmen (§ 9 Abs. 1 Nr. 20 BauGB).

Bauzeitenregelung
Bäume mit einem Baumdurchmesser von mindestens 50 cm in 1 Meter Höhe dürfen abweichend von der gesetzlich vorgeschriebenen Fällfrist nur im Zeitraum mit der geringsten zu erwartenden Fledermausaktivität vom 1. Dezember bis zum 30. Januar des Folgejahres gefällt werden. Ausnahmsweise sind Fällungen auch außerhalb der Frist möglich, sofern die Genehmigungen der zuständigen Behörden vorliegen (gem. § 67 BNatSchG).“

Hat eine solche Ausnahme-Genehmigung vorgelegen?
Erteilt wann und durch wen?


Dies ist ein Auskunftsersuchen nach Informationszugangsgesetz! – Wenn es keine gab, werden Sie das Vorgehen sanktionieren? Und wie? Werden Sie sicherstellen, dass die beiden im Bereich des Hotelbaus verbliebenen Bäume mit über 50 cm Stammdurchmesser (Nr. 68 und 69 nach Baumkataster) stehen bleiben?

Im Übrigen sind auch in den vorliegenden Gutachten für den B-Plan 303 die Spalten in Baum Nr. 85 beschrieben. Im Baumkataster vom 20.2.2018 (Autor Dipl. ing. Stefan Vetteriek) heißt es über diesen Baum: „Baum 85 Schadstufe: Vor einigen Jahren geschätzt 50-60 % der Krone ausgebrochen. Sonstiges: Stammumfang gemessen über beide verwachsenen Stämme.“

Die Fällung des Baumes 85 wurde ohne jede Rücksicht auf evtl. dort vorhandene Fledermäuse durchgeführt und damit eklatant gegen § 44 BNSchG mit dem Tötungsverbot bedrohter und gesetzlich geschützter Tierarten verstoßen. Nicht in Unkenntnis, denn ich selbst habe die Arbeiter per Megaphon unmissverständlich auf die Illegalität ihres Tuns und auf das verletzte Gesetz und die verletzte Satzung hingewiesen. Auch die Polizisten, die zahlreich darum herumstanden, rührten keinen Finger, um das Recht durchzusetzen. Sie fühlten sich anscheinend nur für das Hausrecht der Investoren verantwortlich. Aber die Polizei hat alle Gesetze zu schützen, auch die Naturschutzgesetze!

Ich erwarte, dass hier nicht länger geltendes Recht gebrochen wird, sondern den Naturschutzgesetzen und der Satzung der Stadt Geltung verschafft wird! Sie sind dafür verantwortlich, dass dies auch geschieht! Es gibt in Deutschland mehr Gesetze als nur das Eigentumsrecht.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Helmreich Eberlein

Für Aufklärung, Klagekosten und rechtliche Unterstützung

SPENDENAUFRUF

Wir haben bisher viel Unterstützung erhalten womit wir einiges erreichen konnten – EIN GROSSES DANK AN ALLE! Die Räumung und Rodung konnte leider nicht verhindert werden. Sie wird heute, am 22.02.2021, mit großem Polizeieinsatz weiter durchgeführt.
Die neue Situation stellt uns vor neue Herausforderungen. Wir wollen auf jeden Fall sämtliche rechtlichen Möglichkeiten nutzen, um aufzuklären und mögliche Klagen zu führen.
Bitte unterstützt uns dabei.

Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg
Spendenkonto bei der GLS-Bank
IBAN DE42 4306 0967 1018 7219 01
Kontoinhaberin Chr. Schmitz-Strempel
Verwendungzweck „Bahnhofswald“

Offener Brief, nach Rodung und Räumung

„Deshalb fordern wir die Stadt auf, die der Firma JARA Immobilien erteilte Baugenehmigung unverzüglich zurückzuziehen!“

Sehr geehrte Frau Oberbürgermeisterin Simone Lange, 
Sehr geehrter Herr Stadtpräsident Fuhrig, 
Sehr geehrte Ratsmitglieder, 

Die Stadt Neumünster hat nach Presseberichten erklärt, sie erwäge einem Investor, der auf seinem Gelände kürzlich einen Wald hat illegal roden lassen um bauen zu können, wegen fehlenden Vertrauens die Baugenehmigung zu verweigern, siehe (https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/schleswig-holstein_magazin/Illegale-Baumrodungen-in-Kiel-Quickborn-und-Neumuenster,shmag80454.html). 

Dort allerdings sind durch diese illegale Rodung keine Menschenleben in Gefahr gebracht worden. Das ist hier in Flensburg anders. Auch die Rodungsaktion von JARA Immobilien an der Bahnhofstraße vom 19.2.21 war in vielfacher Hinsicht illegal:

– Sie erfolgte entgegen der ausdrücklichen Erklärung der Stadtverwaltung und unter Missachtung des Gewaltmonopols der Polizei mit Hilfe eines Privaten Sicherheitsdienstes. Das erinnert fatal an Länder mit großem Mafia- oder Oligarchen-Einfluss.

– Sie nahm keinerlei Rücksicht auf die Satzungen der Stadt, so den Bebauungsplan 303 Hauptpost, nach dem es untersagt ist, Bäume mit mehr als 50 cm Stammdurchmesser zwischen dem 1.Februar und dem 30. November zu fällen. Auch 4 solche Bäume wurden gefällt oder angesägt (die Bäume Nr. 117,112, 111 und 101 nach Baumkataster aus dem B-Plan).

– Sie erfolgte mit großer krimineller Energie: im offensichtlichen Bewusstsein der Illegalität und der Erwartung, rasch gestoppt zu werden, wurden die meisten Bäume am Hang der Bahnhofstraße nicht zeitaufwändig gefällt, sondern schnell „geringelt“, also rundherum eingesägt, so dass sie zum Absterben verurteilt und nicht mehr standfest waren. Dadurch wurden in kurzer Zeit bis zum Eingreifen der Polizei sehr viel mehr Bäume vernichtet. 

–Die im Auftrag der Investoren handelnden Arbeiter nahmen dabei auch keinerlei Rücksicht auf eine Gefährdung von Menschenleben: sie ließen ein Baumhaus herabstürzen, ohne sich zu vergewissern, dass keine Personen darin waren, und sägten Bäume an, auf denen Menschen in einem Baumhaus saßen. Sie nahmen in Kauf, dass die angesägten Bäume auf die Straße fallen konnten und Passanten erschlagen.

– Die Investoren nahmen billigend in Kauf, dass ihr Vorgehen auf dem Höhepunkt der Pandemie mit hochansteckenden Viren zu einem Super-Spreading-Event führen konnte, was die Stadtverwaltung gerade umgehen wollte. Damit nahmen sie auch billigend in Kauf, dass sich ungezählte – auch völlig unbeteiligte – Menschen mit dem potentiell tödlichen Virus infizieren und schwer erkranken, vielleicht sogar sterben, und weitere anstecken. Anderen Gewerbetreibenden könnten sie dadurch schwere Einbußen auferlegt haben, weil bei weiter steigenden Infektionszahlen die Einschränkungen unnötig lange fortgeführt werden müssen. 

– Der von den JARA-Immobilien engagierte Sicherheitsdienst maßte sich Befugnisse der Polizei an, indem er mindestens eine Person mit Kabelbinder fesselte und fortschleppte.

Dieses Vorgehen darf auf keinen Fall Erfolg haben; es wäre sonst eine Ermutigung an weitere Investoren, in ähnlicher Weise den Rechtsstaat zu missachten und die eigenen Interessen mit Gewalt und ohne Rücksicht auf Recht und Gesetz durchzusetzen. Es wäre der Weg in den Mafia-Staat. 

Wenn das Vertrauen der Stadt Neumünster schon bei einfacher illegaler Rodung eines Waldes zerstört ist, können wir uns nicht vorstellen, dass die Stadt nach dieser so viel schlimmeren Aktion noch Vertrauen in die Firma JARA Immobilien hat. Wie soll man glauben, dass man solchen Leuten den Schutz empfindlicher Biotope wie der Quelle und dem artenreichen Steilhang oder den der bedrohten Arten im Bahnhofswald anvertrauen kann, oder dass diese Firma eine ehrliche Prüfung der Hangstabilität durchführen wird, an der das Risiko eines Abrutschens der denkmalgeschützten Häuser an der Schleswiger Straße hängt? Auch dort könnten Menschenleben in Gefahr kommen. 

Deshalb fordern wir die Stadt auf, die der Firma JARA Immobilien erteilte Baugenehmigung unverzüglich zurückzuziehen

Für die Bürgerinitiative Bahnhofsviertel Flensburg:
Dr. med. Helmreich Eberlein
Günter Strempel 
Christiane Schmitz-Strempel 
Thomas Gädecke
Klaus von Gadow 
Franziska von Gadow 
Claus Kühne 

ES WIRD GERÄUMT!

Sonntag 21.2.2021, ca. 10:35 Uhr

In einem offiziellen Amtshilfeersuchen der Stadt heißt es als Begründung:
„Die Stadt hat ein großes Intersse daran, dass die Vorgaben aus der Allgemeinverfügung stadtweit eingehalten werden, um das besorgniserregende Infektionsgeschehen wirksam und
nachhaltig einzudämmen.Hierzu bedarf es polizeilicher Hilfe, da es ihr nicht möglich ist, die Personen von den
Bäumen zu holen und aufzufordern, unverzüglich zu ihrem Wohnsitz zurück zu kehren.Dazu wird im Rahmen der Amtshilfe gemäß § 33 LVwG um Amtshilfe durch die Polizei gebeten“

Die Oberbürgermeisterin an die Polizeidirektion Flensburg am 20.2.2021

Wir versuchen auf facebook zu aktuell zu berichten:
https://www.facebook.com/BahnhofsviertelFlensburg

Ein Brief an die Untere Naturschutzbehörde

Von Dr. med. Helmreich Eberlein

Flensburg, 20.2.2021
Sehr geehrter Herr Neuendorf,

ich wende mich an Sie als die Person, die in der Stadtverwaltung für den Artenschutz zuständig ist. Sie haben natürlich mitbekommen, was für eine illegale Aktion die Investoren am Bahnhofswald gestern gemacht haben. Diese hat viele Aspekte, von der Missachtung des Gewaltmonopols über die Gefährdung von Leib und Leben zahlreicher Menschen u.v.m. Unter dem Aspekt des Artenschutzes sind aber zwei Themen beunruhigend:

Die Bahnhofstraße am 20.2.2021, fast alle Bäume an der Straße sind gefällt.

Bei der Aktion wurden in einem langen Abschnitt entlang der Bahnhofstraße sämtliche Bäume gefällt bzw. so stark angesägt, dass sie anschließend gefällt werden mussten. Darunter waren auch die Bäume (Ziffern laut Baumkataster) 117,112, 111, 101, die laut Baumkataster mehr als 50 cm Stammdurchmesser in 1m Höhe hatten und deshalb laut B-Plan 303 Hauptpost seit 1. Februar nicht hätten gefällt werden dürfen, um Verstöße gegen §44 BNSchG (Tötungsverbot geschützter Arten, hier Fledermäuse) zu vermeiden. Ich hatte selbst am Morgen die Arbeiter auf diese Rechtslage per Megaphon hingewiesen, darüber hinaus trugen diese Bäume Schilder mit einem Warnhinweis: „Fällung vor Dezember illegal!“. Es geschah also keinesfalls in Unkenntnis.

Die drei eingefügten Bilder belegen den Verstoß; sie zeigen die heutige Situation.

Ich möchte Sie fragen: Wird dieser Verstoß sanktioniert werden, und wie?

Vermutlich wurden diese Bäume zunächst nur „geringelt“ und dann im Laufe des Nachmittags gefällt. Hat es dabei eine Fällbegleitung durch eine*n Fledermaus-Experten*in gegeben? Und sind die Bäume auf vorhandene Fledermäuse abgesucht worden? Falls nein, ist das auch ein Verstoß durch die Institutionen und Personen, die an der endgültigen Fällung beteiligt waren. Wird das sanktioniert werden?

Dass die Bäume in der kurzen Zeit, die die Investoren hatten, bis die Polizei einschritt und die Fällungen unterband, zur größten Teil nicht gefällt, sondern geringelt wurden, zeugt einmal vom Unrechtsbewusstsein: man war sich im Klaren darüber, dass die Aktion ganz schnell gestoppt werden würde, und wollte inzwischen möglichst viel Schaden anrichten, um vollendete Tatsachen zu schaffen. Dies belegt auch eine hohe kriminelle Energie.

Darüber hinaus ist die Quelle bei der Aktion gestern zertrampelt und erst verspätet geschützt worden, siehe das nächste Bild. Sie hat es zum Glück überlebt, aber dies zeigt noch einmal, dass der Schutz der Biotope in den Händen dieser Investoren nicht gut aufgehoben ist.

Meiner Meinung nach müsste den Investoren, die sich gestern mit ihrer Aktion als derart wenig vertrauenswürdig herausgestellt haben, die Baugenehmigung entzogen werden. Die Stadt Neumünster, wo ein vergleichbares Verhalten eines Investors kürzlich stattfand (allerdings ohne eine Gefährdung von Menschenleben!), hat laut Presseberichten erklärt, sie erwäge, wegen des Vertrauensverlustes keine Baugenehmigung zu erteilen. Ein solches Verhalten darf nicht Erfolg haben und sich nicht rechnen. Die Vielzahl der illegalen Waldrodungen in den letzten Monaten an ganz vielen Orten (auch in Flensburg am Wasserturm und bei der FFG!) zeigt, dass dahinter Methode steckt und ein effektiver Riegel vorgeschoben werden muss.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. med. Helmreich Eberlein

Ohne Worte!
Vollendete Tatsachen.